hormongesteuert

Morgens aufstehen und denken, der Tag kann ja nur gut werden. Die Filtertüte klemmt im Halter, ich ziehe, und es kommen fünf mit raus. Der erste kleine Wutanfall sagt "Guten Morgen". Im nächsten Moment freue ich mich wieder, weil der Kaffee lecker und der Kater zufrieden ist. Nur so lange, bis ich am Rechner sitze. Die ersten Mails. Zwanzig mal Spam - ich möchte schreien. Zwischen sieben und acht die ersten drei Jobs erledigt. Fettes durchstreichen auf der Liste und gutes, befriedigendes Gefühl. Kleiner Anflug von Euphorie, aber nur kurz.

Dann ab neun die ersten Anrufe. Es grummelt. Alle wollen was. Nach jedem Anruf wird der Atem kürzer, das Nervenkostüm dünner. Raus auf die Terrasse, eine rauchen. Geht besser, vielleicht zu gut, wieder Anflug von Euphorie, ich will die Welt umarmen.

Postbote kommt, bringt Buch. Freude hält an. Ich sehe ein Foto von Romy Schneider und möchte weinen in angesicht dieser atemberaubend schönen Frau. Jetzt auch noch nah am Wasser. Zustand hält an, als Jobanfrage kommt. Völlig am Thema vorbei scheisse ich meinen Auftraggeber zusammen, habe kaum noch Luft zum sprechen. Denke an meinen Feierabend und an eine sehr leckere Tasse Tee und komme wieder hoch. Werde euphorisch und schmeisse die Arbeit vorzeitig hin, gehe einkaufen.

Bei der Post will man meine 1,44er Marken, die jetzt 1,45 kosten, nicht umtauschen. "Gehen Sie an der Hauptpost zum Automaten und kaufen dort 1-Cent-Marken." Ich möchte die Frau am Schalter erwürgen. Auf der Fahrt zum Supermarkt klagt Kurt Cobain von CD und ich breche fast zusammen vor lauter Klage und Leid. Entscheide mich für "It's the end of the world" von REM - das passt - drehe laut, der Mini zieht über die Straße und ich bin in meinem Element, möchte wieder mal die Welt umarmen und singe so laut mit, dass man es draussen sicher hört.

Am Supermarkt quatscht mich ein Typ an, will mir Jalousien verkaufen. Ich schreie ihn an, weil er mein "nein" nicht verstehen will. Männer! Egal. Kaufe feine Sachen ein und freue mich auf zweimal groß kochen am Wochenende. Lege viel mehr Zeugs in den Wagen als nötig und koste die manischen Minuten voll aus. Erwische die langsamste Reihe an der Kasse. Beim dritten Artikel, der keinen Preis hat, koche ich innerlich, kriege einen roten Kopf, kurz davor durchzuknallen.

Abends zu Hause warme Decke, ein Buch, ein Tee und darauf warten, dass der rote Baron endlich wieder in die blutige Schlacht zieht.

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